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Ein Therapeut kommt mir nicht ins Haus

abgelegt im Archiv Tierverhalten am 07.06.07

Dass Tierpsychologen trotz TV-Soaps und Artikeln in allen möglichen Zeitschriften keinen leichten Stand haben, beweist einmal wieder dieser Satz: "Ein Therapeut kommt mir nicht ins Haus". Geschrieben in einem Katzenforum von einer Frau, deren alte Katze seit einiger Zeit Kot und Urin nicht mehr in ihre Toilette absetzt.

Alle Aufklärungsversuche, Hinweise, Ratschläge einen Veterinär aufzusuchen, fruchten nichts. Stattdesssen soll die gegen das "zweite Kind protestierende" Katze erst in ein anderes Gebäude abgeschoben werden und dann mit der benutzen Windel des Säuglings "markiert", sprich eingerieben.

Alle Hinweise auf Ethologie und biologie, auf Verhaltensforscher und empirische Studien bleiben ungehört. Im Gegenteil: Tierpsychologen sind "dubios", werden mit "Tierkommunikatoren" gleichgesetzt, der wahrscheinlich "untersten Stufe".

Was zählt, ist allein die Erfahrung des Katzenhalters, gipfelnd in dem Satz: "Ein Therapeut kommt mir nicht ins Haus"...in Gedanken ergänzt um "und anderes Gesindel auch nicht..."

Fast möchte man schreien: "Gott schütze uns vor den Unbelehrbaren". Aber es macht wieder einmal deutlich, wie viel Aufklärungsbedarf in der Tierhalterszene noch immer nötig ist.

Tierpsychologie, seriös verstanden, basiert auf der Ethologie, der vergleichenden Verhaltensforschung. Der Begriff Tierpsychologe wurde geprägt von Konrad Lorenz - ist somit kein Modewort und keine Erfindung geldgieriger Abzocker.

Wer sich mit Verhalten von Tieren beschäftigt, muss sich auskennen mit Sozialverhalten, mit Lernen und Gedächtnis, mit Aggression und Sexualverhalten, mit Brutpflege, Ontogenese und Phylogenese, mit Lebensraum und ökoethologischen Bedürfnissen und innerartlicher Kommunikation...um nur einiges zu nennen.

Der Berufsbegriff ist nicht geschützt - Ausbildungen sind langwierig, aufwendig und teuer - und offensichtlich noch viel zu wenig be- und anerkannt. Stattdessen gibt es bei Tierhaltern immer wieder nahezu fanatische Ablehung und schrecklich viel Unwissen - auf Kosten der Tiere.

Statt Recherche - und was spricht dagegen, einen Tierpsychologen nach seiner Qualifikation zu fragen - nur finstere Unterstellungen. Keine rosigen Aussichten für Tiertherapeuten?

Zum Glück gibt es immer mehr Menschen, denen ihr vierbeiniger Hausgenosse genügend am Herzen liegt, um ihn einem kompetenten Fachmann anzuvertrauen: sei es einem Tierarzt, Tierheilpraktiker oder Tierpsychologen.

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Tags: Tierpsychologe  Tierarzt  Konrad  Lorenz 

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