Eisbär Knut: Schäbige Kampagne gegen Tierschützer
abgelegt im Archiv Tierverhalten am 20.03.07
Nachdem sich Bild-Zeitung und Spiegel wegen der angeblichen Forderung von Tierschützern nach der "Todesspritze für Eisbärbaby Knut" den Ball hin- und hergespielt und einen bundesweiten Aufschrei provoziert haben, kommt nun die Wahrheit stückchenweise ans Licht.
Die FAZ und das Bild-Watchblog haben nachrecherchiert und tatsächlich ist folgendes passiert:
Der Nürtinger Tierrechtler Frank Albrecht , der sich vor allem im Kampf gegen die Tierquälerei im Zirkus engagiert, hatte im Januar den Berliner Zoo "wegen groben Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz" angezeigt, um auf "die Scheinheiligkeit und Heuchelei" bei der Zootierhaltung aufmerksam zu machen.
Die Behauptung, dass er die Tötung von Knut fordere, hatte er in einem Leserbrief an die "Berliner Zeitung" bereits im Februar als "völlig falsch" bezeichnet und dies, wie er dem Bild-Blog sagte, auch aktuell (aber erfolglos) gegenüber der Bild-Zeitung deutlich zu machen versucht.
Das von Frank albrecht angestoßene Verfahren wurde, wie ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft dem Bild-Blog mitteilte, "mangels Straftat eingestellt". Albrecht habe sich jedoch dagegen beschwert, "so dass nunmehr die Generalstaatsanwaltschaft den Vorgang zu prüfen haben wird".
Die Bild-Zeitung stört das alles aber nicht. Mit der Überschrift "1. Eisbär-Demo - Kinder kämpften für Knut" setzt sie heute die Kampagne gegen die "bösen Tierschützer, die unseren Knut einfach totmachen wollen" weiter fort. Unter anderem ist dort zu lesen: Millionen Deutsche diskutierten gestern empört das Schicksal des kleinen Eisbären Knut (knapp vier Monate) aus dem Berliner Zoo. Tierschützer hatten in BILD und Spiegel seine vermenschlichte Aufzucht scharf kritisiert, den Tod des von seiner Mutter verstoßenen Bären gefordert. "Die Handaufzucht ist nicht artgerecht, sondern ein grober Verstoß gegen das Tierschutzgesetz", sagte Tierschützer Frank Albrecht (37). Der Berliner Zoo lasse zu, dass der Eisbär für den Rest seines Lebens verhaltensgestört sein werde.
Unabhängig von der geschickten Verdrehung der Tatsachen in Bild sind auch andere Experten skeptisch, was die "Vermenschlichung" von Wildtieren in den Zoos angeht. Steffen Seckler vom Deutschen Tierschutzbund z.B. weist darauf, dass "kein Eisbär im Zoo ein schönes Leben" hat: "Diese Tiere gehören grundsätzlich nicht in Tiergärten. Wir sind dafür, dass die Zoohaltung schnellstmöglichst ausläuft. Denn Eisbären können dort nicht artgerecht gehalten werden. In der freien Natur legen sie täglich 35 Kilometer zurück. In Zoos haben sie oft nur Betonböden und unstrukturierte Gehege. Dadurch kommt es zu Langeweile und Verhaltensstörungen".

Tags: Eisbär Knut Eisbärbaby Zoo Bild FAZ BildBlog
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