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Hund und Mensch: der tägliche Krieg an der Leine

abgelegt im Archiv Tierverhalten am 19.11.07

Hund und Mensch: der tägliche Krieg an der Leine
Gestern war Sonntag und schönes Wetter. Und bei einem Spaziergang rund um das Wildgehege im Neandertal waren sie wieder zu beobachten: Mensch und Hund gemeinsam.

Wirklich gemeinsam? oder doch eher gegeneinander?

Das sehe ich jeden Tag und auch gestern wieder: Kind reißt Leine und Hund am Halsband und schreit: "Sammy, komm endlich." Sammy findet die Wisente und Auerochsen aber spannend und will nicht kommen.

Vermutlich riecht er hier einen für ihn ganz neuen, interessanten duft. Das Kind zieht wieder, diesmal noch heftiger, mit einem Ruck an der Leine. Sammys Hals wird erbarmungslos zur Seite gerissen und er trottet brav hinter seinem Quälgeist her. Fünf Meter weiter kommt uns ein Ehepaar entgegen, dessen Hund Sammy begrüßen will. Auch er wird am Halsband und an der Leine gnadenlos beseite gezerrt. Er bringt sich, hektisch schwanzwedelnd, bald um. Der Hund hängt im Halsband, die Vorderpfoten in der Luft, kläfft aufgeregt. Aber er hat keine Chance. Hündische Begrüßung unmöglich, Kommunikation boykottiert....

Und so geht das endlos weiter. Immer weiter, jeden Tag. Nicht selten zieht einer vorne, tascht der andere von hinten. Geschirre sind in der Minderheit. Die überwiegende Zahl der Vierbeiner wird zigmal täglich am Hals gezerrt, gewürgt und dem menschlichen Willen unterworfen, eben HERR und Hund, oder?

In einem Interview hat mir Jan Nijboer einmal gesagt, wie sehr er bedauert, "dass wir verlernt haben, die Sprache des Hundes zu verstehen". Aber ist es wirklich nur das? Verstehen wir die Signale des Hundes nicht oder falsch? Oder wollen wir sie nicht verstehen, weil sie uns egal sind?

"Hunde waren einst Jagdgehilfen des Menschen, aber sie werden heute immer mehr zu Projektionsfläche menschlicher Wünsche nach einem Menschersatz und Freizeitgefährten", stellt Nijboer fest. Und dieser Freizeitgefährte soll verfügbar, angepasst, leinenführig, handlich sein...

"Als sozialer Beutegreifer haben Hunde ihre eigenen Bedürfnisse, wie das Jagen im Rudel und die Revierverteidigung", sagt Nijboer, Gründer von Natural Dogmanship - Neues Denken für Menschen mit Hunden.

Sein Wort in Gottes Ohr, aber ob sich wohl irgendein Hundehalter darüber jemals Gedanken macht, bevor er wieder den berühmten Ruck am Halsband einsetzt?

Mir scheint nicht.



Permalink: Hund und Mensch: der tägliche Krieg an der Leine

Tags: Herr  Hund  Halsband  Geschirr  Leine  Jan  Nijboer 

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