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Kastration von Bauernhofkatzen

abgelegt im Archiv Tierschutz am 22.04.07

Kastration von Bauernhofkatzen
GASTBEITRAG VON SUSANNE HEIZMANN

Die Autorin ist Tierpsychologin und eine sehr engagierte Tierschützerin, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Bauernhofkatzen in ihrer Umgebung zu betreuen. Und vor allem will sie eine ständige flut von ungewollten Katzenkindern verhindern. Wie ihr Bericht zeigt, keine ganz leichte Aufgabe...
Susanne Heizmann unterstützt ehrenamtlich den Tierschutzverein Sulz



"Normalerweise klappere ich die Bauernhöfe ab und erkundige mich, ob es ein "Katzenproblem", d.h. zu viele unkastrierte Katzen gibt. Dieses Mal war's anders herum: Eine Bäuerin rief mich recht verzweifelt an. Ich kenne den Hof, war bereits 2005 schon mal dort aber damals gab es nur wenige Katzen, die fast alle kastriert waren. Jetzt erzählte mir Frau X, dass im letzten Jahr eine scheue Katze zugelaufen sei und sich seither munter vermehrt hätte. Die Bäuerin, die sich sehr um ihre Katzen kümmert, hatte versucht, die kleinen scheuen Kätzchen zu zähmen. Leider war sie nicht bei allen erfolgreich gewesen. Von den Katzenfallen des Tierschutzvereines hatte sie noch nichts gehört. Am selben Tag rief ich beim Tierschutzverein an und da noch Geld vorhanden war, gab es grünes Licht für die Aktion.

Wir sperrten zuerst einmal die schon Kastrierten in den Hausgang und ich begann, den Rest auszusortieren: Zwei Kleine vom Herbst waren zahm und wurden zusammen in eine Katzenbox gesetzt, ebenso zwei Größere. Eine schwarze Katze mit verkürztem Schwanz blieb in einiger Entfernung sitzen. Frau X berichtete, dass diese seit Jahren kastriert sei, der Schwanz aber noch nicht lange so aussähe.

Am Ende des Schwanzstummels fehlte das Fell und ich hatte den Eindruck, dass es sich um eine noch offene Verletzung handelt. Leider war die Katze scheu und flüchtete als ich mich ihr nähern wollte. Wir besprachen, dass man sie in nächster Zeit gesondert einfangen sollte, um abzuklären, ob der Schwanz operiert werden musste. Außerdem lief noch eine ganz verschmuste Miez um die Fallen, die laut Hofbesitzer nicht kastriert werden sollte. Er wollte weiterhin für die Kinder kleine Kätzchen zum Spielen. Ich musste ihm klarmachen, dass der Tierschutzverein nicht bereit ist, so viel Geld für eine halbe Sache auszugeben. Entweder werden alle kastriert oder er muss die Aktion selbst bezahlen. Schließlich gab es auf dem Hof genug Katzen und sie waren nicht auf Nachwuchs angewiesen. Er lenkte schnell ein und so konnte ich die Katze, die inzwischen in die Falle gelaufen war, ins Auto verfrachten. Eine sehr scheue, schwarzweiße Katze, die die Bäuerin für ganz wichtig befand (angeblich ein Mädchen), brauchte etwas Zeit, um ihre Scheu vor mir und dem Blitzlicht des Fotoapparats zu überwinden, schaffte es dann aber doch auch in die Falle. Fürs erste reichten mir diese sechs Katzen, da die TA Praxis nur am Morgen Zeit für die OPs eingeplant hatte.

In der Tierarztpraxis

Bald hatte die erste Katze eine Narkose intus und wurde für die OP vorbereitet. Nach anderthalb Stunden waren drei Katzen und drei Kater kastriert. Die "wichtige" Katze war übrigens ein Kater. Fast alle hatten Flöhe und Ohrmilben, die mit entsprechenden Mitteln abgetötet wurden. Das Gebiss einer älteren Katze war sanierungsbedürftig, d.h. es wurden drei vereiterte Zähne gezogen. Alle wurden im rechten Ohr tätowiert und bekamen ins linke eine kleine Kerbe, so dass schon von weitem zu sehen ist, dass die Katze kastriert ist.

Obwohl die Miezen gut gefüttert werden, machten sie insgesamt keinen so guten Eindruck. Wir sehen oft bei Katzen, die v. a. im Gesicht viel weißes Fell haben, dass sie entzündetes Zahnfleisch und Probleme mit den Bindehäuten der Augen haben. Das war hier der Fall. Das Fell wirkte struppig und die Bäuche aufgebläht. Da der Tierschutzverein nur die "Notversorgung" übernimmt, spendierte ich den beiden Kleinen eine Wurmkur. Die Größeren können bei Gelegenheit vom Bauer selbst entwurmt werden.

Nachdem alle versorgt waren, lud ich sie wieder ins Auto und brachte sie nach Hause in unseren Keller. Dort durften sie in Ruhe ihre Narkose ausschlafen. Da diesmal die meisten zahm waren, konnte ich die Handtücher, die alle voll gepieselt waren austauschen und die Miezen abends, als sie wieder richtig wach waren, in unseren "Katzenstall" sperren. Dort konnten sie sich frei bewegen und waren dankbar für das Katzenklo.

Mittwochmorgen gegen acht Uhr ging's also wieder auf den Hof und vier Fallen waren schnell gestellt. Allerdings trauten sich zwei ganz scheue Miezen nicht her, solange sie mich sahen. Also verzog ich mich um eine Ecke und nach wenigen Minuten waren beide gefangen. Dieses Warten, dass die Katzen sich hertrauen ist eine schwierige Aufgabe. Ohne Sicht auf die Fallen ist es Glücksache, den richtigen Zeitpunkt für einen Kontrollblick zu erwischen. Manchmal schaue ich um die Ecke und just in dem Moment will die Katze eigentlich in die Falle, sieht mich und springt erst mal wieder davon. Es kann dauern, bis sie sich wieder an die Holzkiste heranwagt.

Da vorerst keine weiteren Katzen zu sehen waren, fuhr ich die beiden in die Praxis, ließ aber noch zwei gestellte Fallen stehen. Gegen 14 Uhr kontrollierte ich sie: wieder waren zwei Katzen gefangen. Die anderen sechs von gestern ließ ich jetzt wieder frei. Sie liefen erst mal planlos über den Hof, die eine Scheue spurtete davon, als ginge es um ihr Leben. Laut maunzend versammelten sich die anderen in der Garage und verlangten nach Futter. Diese Aufgabe überließ ich der Bäuerin. Auf mich und meine zwei "Neuen" wartete die Tierärztin. Spätestens bei der Autofahrt kann man ganz gut feststellen, ob eine Katze den Menschen gewöhnt ist oder nicht: Je zahmer desto lauter das Protestgeschrei. Die Scheuen machen keinen Mucks, wohl in der Hoffnung: "Wer mich nicht hört, sieht mich auch nicht und tut mir nichts!"

Nach der Operation nahm ich alle vier mit heim und stellte sie in den Keller. Diesmal mussten die Katzen leider auf ihren ziemlich eingesauten Handtüchern ausharren. Es ist erstaunlich, wie ruhig und geduldig die Katzen ihr Schicksal erwarten. Es gibt nie Geschrei oder Gepolter im "Aufwachraum". Allerdings ist der Gestank - vor allem, wenn ein Kater unter den Operierten ist - abartig. Einen Tag lüften reicht nicht aus, den penetranten Geruch nach Katerurin aus dem Zimmer zu vertreiben. Unsere eigenen Katzen (Teddy und Puschel sind Geschwister, 10 Jahre alt) streichen dann immer sehr interessiert um die Kellertür und sogar unsere Puschelkatze markiert die Tür, wenn es ihr zu heftig wird. Draußen sehe ich das hin und wieder von beiden, wenn im Frühjahr neue, noch unkastrierte Kater um unser Haus ziehen. Im Haus gab es noch nie Probleme deswegen - abgesehen von diesen wirklich stinkenden Ausnahmen.

Am Donnerstagmorgen regnete es in Strömen. Ich war schon durchnässt, bis ich die vier eingeladen hatte. Aus Erfahrung weiß ich, dass kein Katzenkorb - auch nicht bei korrekter Handhabung - 100%ig ausbruchsicher ist. Deshalb wird jeder einzeln, mit Handtuch darum transportiert. Es ist mehr als nervenaufreibend, wenn eine Katze, die sich aus dem Korb befreit hat, auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Dies passiert leider hin und wieder Besuchern vor der Tierarztpraxis und endet manchmal glücklich, wenn die Katze noch in der selben Nacht wieder in die dort gestellten Fallen geht - manchmal bleibt es ein ewiges Rätsel, wo sie abgeblieben ist.

Am Montagmorgen wurde es wieder interessant. Da nur noch eine Katze fehlte, brachte ich meine "elektrische" Falle in Position, die ich per Fernauslöser schnappen lassen kann. Diese Falle ist Gold wert! Zum Glück ist mein Mann immer bereit Neues für mich auszutüfteln und als Elektroniker hat er jede Menge Ideen, wenn's um Technik geht. Jede andere unserer Fallen funktioniert mechanisch, d.h. wenn die Katze vorne auf die Kunststoffplatte tritt, fällt der Schlag hinten runter. Wenn jetzt aber schon zehn kastrierte Katzen herum springen und ich nur die eine unkastrierte in der Falle haben will, wird's kompliziert. Die anderen wegzusperren geht nicht immer, vor allem nicht, wenn sie scheu sind. Und je öfter die Klappe vor ihren Augen runter fällt, um so verunsicherter wird die Katze, die eigentlich rein sollte. Außerdem muss ich ständig die Gefangenen freilassen und neues Futter rein tun. Diese Schwierigkeiten waren mit meiner Fernbedienung passé.

Alles lief super, das Schwarze drängelte sich auch gleich mit noch zwei anderen in die Falle und ich drückte begeistert auf meinen Auslöser (die zwei "Mitgefangenen" könnte man problemlos wieder rauslassen). Aber nichts passierte. Und dann der Geistesblitz: Ich hatte die Falle wohl klasse platziert, hatte aber vergessen, den Pluspol an der Batterie anzuschließen. Ohne Strom nix los. Man sieht also, auch nach so vielen Jahren passieren mir Fehler. Ich schlich ganz vorsichtig zur Falle, trotzdem stob das Kätzchen bei meinem Anblick davon. Klemmte das Kabel fest und lief dann wieder zurück in mein Versteck. Glücklicherweise war der Thunfischgeruch stärker als die Angst: Das Schwarze tauchte sofort wieder auf und marschierte schnurstracks in die Falle und diesmal funktionierte alles reibungslos. Mit lautem "Klack" fiel die Klappe zu und meine Mission auf diesem Hof war fast beendet. In der Praxis stellte sich heraus, dass es tatsächlich ein junger, gesunder Kater war. Ich holte ihn nachmittags ab und brachte ihn dieses Mal gleich auf den Hof zurück, wo er im Korb in einer warmen Ecke bis zum nächsten Morgen schlafen durfte.

Fazit dieser Aktion:

fünf kastrierte Kater
fünf kastrierte Katzen
ein kontrolliertes Katzenschwänzchen
ca. 950 Euro TA-Kosten, die der Tierschutzverein Sulz a.N. www.tierschutzverein-sulz.de trägt
fünf Tage bis alle Katzen gefangen waren
ca. 170 gefahrene Tierschutzkilometer
zwei Ladungen Wäsche
je elf geputzte Fallen und Katzenkörbe
Zeitaufwand (ohne OPs) ca. zwölf Stunden
und als Belohnung für mich der Anblick vieler glücklicher Katzen, die zukünftig ein schönes, sorgloses Leben haben werden!"

Bild: Susanne Heizmann

Permalink: Kastration von Bauernhofkatzen

Tags: Susanne  Heizmann  Kastration  Bauernhof  Katzen 

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