Nackte Meerschweinchen!? Teil 2
abgelegt im Archiv Gastbeiträge am 14.04.08

FORTSETZUNG GASTBEITRAG CHRISTINE WILDE
Das Fell schützt bei Rudelkämpfen
Nicht ohne Grund haben ältere Nacktmeerschweinchen, die im Rudel leben, häufig viele kleine und mitunter auch größere Narben vorzuweisen. Wer Meerschweinchen im Rudel beobachtet, wird fest stellen, dass die Tiere schon bei kleineren Auseinandersetzungen mit geöffnetem Mäulchen kurz zuhaken.
Bei Meerschweinchen mit Fell ist dieses kurze Haken völlig unbedenklich, es endet im dichten Fell. Bei Nacktmeerschweinchen kann das schon zu den ersten Kratzern führen, denn ein Fell ist nicht vorhanden. Auch bei Vergesellschaftungen kommt es bei Nacktmeerschweinchen schnell zu Verletzungen. Bei Tieren mit Fell ist das kurze Zuhaken kein Problem, fast jeder Biss endet im Fell, selten werden die wenig bepelzten Körperteile verletzt (Nase, Ohren).
Bei Nacktmeerschweinchen führt jede kleine Auseinandersetzung zu Verletzungen. Wird der Rangkampf ersthafter geführt, hat ein Skinny kaum noch eine Chance - denn jeder Biss sitzt und es ist kein Fell da, welches diesen Biss abwehren könnte. Züchter behaupten gern, die Nackttiere hätten nicht mehr Narben als Tiere mit Fell und es würde nur mehr auffallen, weil eben kein Fell da wäre - das stimmt nicht. Nackttiere verletzten sich viel schneller als Tiere mit Fell und die Blessuren die sie davon tragen, sind immer tiefer als bei Tieren mit Fell.
Das Fell schützt vor den eigenen Krallen
Nacktmeerschweinchen sind bedauerlicherweise noch nicht so weit evolutioniert, dass diese armen Tieren wissen könnten, dass sie sich vorsichtig putzen müssen. Deshalb müssen die Krallen der Nacktmeerschweinchen immer kurz gehalten und rund gefeilt werden - damit die Tiere sich mit diesen beim Putzen nicht selbst verletzten. Denn natürlich versuchen auch Nacktmeerschweinchen sich zu putzen - es gehört zum fest eingebautem Programm der Tiere - z.B. auch als Übersprungshandlung. Die Tiere drücken dabei mit den Krallen so fest auf, als hätten sie ein Fell. Dabei kann es wieder zu Verletzungen kommen.
Die Tasthaare sind wichtig. Mit ihnen orientiert sich das Meerschweinchen. Es kann damit herausfinden, ob es durch eine Öffnung passt, es orientiert sich in der Dunkelheit mit ihnen und sehbehinderte Tiere erkennen damit auch die Annäherung ihrer Artgenossen.
Baldwins fehlen die Tasthaare, sie sind also um einen sehr wichtigen Sinn - den Tastsinn in den Fibrissen - beraubt!
Die Haut der Nacktmeerschweinchen ist meist auch trockener und spöder und muss deshalb regelmäßig eingecremt werden. Cremereste müssen dann wiederrum mit einem feuchtem Waschlappen regelmäßig entfernt werden. Dies gefällt den meisten Meerschweinchen, die auch untereinander keinen engen Körperkontakt pflegen und den Streicheleinheiten von Menschen wenig abgewinnen können, nicht. Außerdem nehmen sie beim Putzen diese Pflegemittel auf, was bei keiner verwendeten Creme auf Dauer wirklich gesund ist.
Meerschweinchen (und auch andere bepelzte Tiere) benötigen ihr Fell um gesund zu bleiben und auch um sich rundherum wohl zu fühlen. Diesen Tieren das Fell bewusst weg zu züchten ist pervers und rundherum abzulehnen.
Text: Christine Wilde, www.nager-info.de
Illustration: Sandra Menke, www.illu-station.de

Permalink: Nackte Meerschweinchen!? Teil 2
Tags: Nackte Meerschweinchen Christine Wilde Sandra Menke
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Wong
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