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Obdachlos mit Hund: Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

abgelegt im Archiv Erlebnisse am 23.12.08

Obdachlos mit Hund: Die etwas andere Weihnachtsgeschichte
© Franco Folini
Was einen Gläubiger Kraft Gesetzes schützt, führt einen schwachen Menschen auf die Straße: So ging es einer Frau, die durch Trennung und Scheidung ihre Fähigkeit verlor, einfachste Alltagsentscheidungen zu treffen, bis eine Zwangsräumung ihrer Wohnung erfolgte. Wie kam sie zu ihrem Hund trotz ihrer Wohnsitzlosigkeit?

Die Kölnische Rundschau berichtet am 24. Dezember über eine Frau in Euskirchen, die seit fünf Jahren auf der Straße lebt. Den Umständen entsprechend gut gepflegt mit sauberer Kleidung, macht sie jedoch deutlich, wie leicht es jedermann passieren kann, den inneren Halt zu verlieren. Nicht einmal ihr Bruder war imstande, die verkorkste Situation mit Hilfe des Sozialamtes oder mit ärztlicher Hilfe aufzufangen.

Vor einem Jahr schenkte ein Freund ihr den Hund, der ihr jetzt Halt gibt und eine Aufgabe. Sie hat erneut gelernt, Verantwortung zu tragen. So kam sie dazu, ihren Alkoholkonsum zu reduzieren und sich ihrer Situation bewußt zu werden. Weihnachten zusammen mit ihrer Mutter zu verbringen, führt sie zu der gewohnten Denk- und Lebensweise zurück.

Ihre nächsten Schritte bestehen darin, sich ein neues Leben von einer eigenen Wohnung aus aufzubauen. Vermutlich ist in solch einer Situation ein sanfter Zwang durch das soziale Umfeld hilfreich: "Es sei zudem immer schwieriger, einen Aufenthaltsort zu finden. Früher hätten sie oft am Bahnhof rumgehangen. Doch inzwischen wurde Marianne elf Mal wegen Hausfriedensbruch angezeigt. Dafür muss sie jetzt Sozialstunden leisten."

Eine solche Arbeit diszipliniert und ist ein erster Schritt, das eigene Leben wieder in die eigene Hand zu nehmen. Nach meiner Beobachtung ist ein himmelweiter Unterschied zwischen Menschen, die in untergeordneten Arbeitsstellen hin- und hergestoßen werden und solchen, die unternehmerisch handeln. Beide Gruppen besitzen als äußerlichen Rahmen eine sogenannte "bürgerliche Existenz". Doch der entscheidende Unterschied ist die innere Einstellung.

Wer also durch einen Schock abstürzt, braucht dringend Hilfe, um einfachste Dinge zu tun wie das Öffnen von Briefumschlägen und das Kommunizieren mit Vermieter, Ärzten und Behörden. Fehlt eine solche Hilfe, dann ist die Wohnsitzlosigkeit vorprogrammiert. Wer gerne an Weihnachten mit seiner Familie zusammen ist, den schmerzt es in diesen Tagen auf der Straße ganz besonders. Da hilft auch kein Hund.

Hans Kolpak
Pfoten und Fell

Permalink: Obdachlos mit Hund: Die etwas andere Weihnachtsgeschichte

Tags: Hund  wohnsitzlos 

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