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Tiere kennen keine Sommerzeit

abgelegt im Archiv Tierverhalten am 22.03.07

Tiere kennen keine Sommerzeit
Aus der Tierpsychologen-Praxis: "Mein Wecker macht miau"

Am Wochenende wird die Zeit umgestellt - glauben wir Menschen. Tiere denken da nicht nur anders, sie fühlen es auch. Denn jede Tierart hat ihren eigenen Lebensrhythmus, der von Zeitgebern wie Licht und Dunkelheit bestimmt wird. Nager wie Hamster oder Chinchillas sind nachtaktiv. Katzen dagegen nicht. Jedenfalls nicht im biologischen Sinn. Denn die Feliden haben sehr wohl Aktivitätshöhepunkte während des Tages und der Nacht. Zudem sind die Samtpfoten anpassungsfähig und lernen den menschlichen Tagesplan sehr schnell kennen. Sie wissen genau, wann ihr Mensch nach Hause kommt und wann die Fütterungszeiten sind. Trotzdem klagen etliche übernächtigt und müde aussehende Menschen über extrem hartnäckige Vertreter der Feliden, die sich einfach nicht an Spielregeln halten wollen: "Mein Wecker macht miau".
Denn unerbittlich gegen vier, spätestens aber gegen halb fünf Uhr morgens miaut, jammert, schreit es unerbittlich. Und wenn die akustische Folter nicht hilft, wird der Mensch von seiner Katze, die natürlich im Schlafzimmer nächtigt, getreten, gestupst und gebissen - bis er endlich, endlich aufsteht. Nun gibt es natürlich die Hartherzigen, die es ihren felinen Mitbewohnern einfach nicht erlauben, im Schlafzimmer zu übernachten - aber zu denken, sie wären gefeit gegen den frühmorgendlichen Terror, ist weit gefehlt. Eine erfindungsreiche Katze - und welche ist das nicht - findet immer Wege, subtilen frühmorgendlichen Terror zu verbreiten,
Wie Rusty, ein zweijähriger Kater aus dem Tierheim, der seiner Besitzerin nach seinem Umzug ins neue Heim genau drei Tage lang erlaubte, auszuschlafen. Dann übernahm Rusty das Regiment und dazu gehörte eben auch, früh aufzustehen. Sehr früh. Das hätte bald zu einer endgültigen Trennung der beiden geführt, denn seine Halterin konnte sich vor lauter Müdigkeit kaum noch auf ihren Job konzentrieren.
Auch wenn es so aussieht: Rusty und Artgenossen sind nicht aus Mutwilligkeit so früh aktiv. Denn im Gegensatz zum menschlichen läuft der kätzische Organismus gerade in der Morgenstunde auf Hochtouren. Was auch Sinn macht: Wenn die beute unterwegs ist, also in den Stunden nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang, liegen auch die Jäger auf der Lauer.
Ihren Biorhythmus ablegen können die Feliden nicht - wohl aber etwas verschieben. Dazu hilft völlige Verdunkelung in der ganzen Wohnung und ein Futterautomat mit Zeitschaltuhr, der sich zu den Aktivitäts-Hoch-Zeiten aufklappt und mit Thunfisch oder Leberwurst lockt. Ein voller Bauch tobt bekanntlich nicht gerne durch die Wohnung. Das merkte auch Rusty, der außerdem aus dem Schlafzimmer verbannt wurde.
Wie immer in der Katzen-Menschen Er- und Beziehung hilft Konsequenz. Einmal nachgeben und aufstehen, heißt immer nachgeben und aufstehen. Also, Ohren zu und durch. Immerhin bleibt ein Trost: Spätestens ab Oktober, wenn es morgens dunkel, nass und kalt ist, genießen auch die aktivsten Weckerkatzen gerne länger Wärme und Ruhe.



Permalink: Tiere kennen keine Sommerzeit

Tags: Miau  Wecker  Frühjahr  Futterautomat  Katze  Tierpsychologie 

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