Wenn die Haut rollt und zuckt
abgelegt im Archiv Tierpsychologie am 18.08.07
Aus der Tierpsychologenpraxis: Rolling-Skin-Syndrome oder Feline Hyperästhesie
Giorgio war ein imposanter Grautigerkater und hatte in seinem neunjährigen Leben schon so einiges mitgemacht: zwei Unfälle, ein versteiftes Hinterbein, einen Umzug, den Tod einer Mitkatze und nun einen neuen Mitbewohner, einen zweijährigen rotweißen Türkisch-Angora-Kater. Seine Menschen kümmerten sich liebevoll, aber Giorgio zeigte eine Angewohnheit, die seine Halter ratlos machte. In unregelmäßigen Abständen begann seine Haut zu zucken und Wellen liefen über seinen Rücken. Daraufhin kratze er sich hektisch und biss seinen Schwanz, bis es blutete. Zeitweise sprang er auf, raste durch die Wohnung und miaute laut und durchdringend. Die Halter hatten sich informiert und waren auf ein Phänomen gestoßen, dass sich "Rolling skin" nennt.
Die Tiermediziner kennen dafür auch den Begriff "Feline Hyperästhesie" - gemeint ist in jedem Fall immer eine ernsthafte Störung und Beeinträchtigung des Tieres. Nur ist leider die Diagnose und Behandlung alles andere als einfach. Denn es gibt eine Vielzahl von Auslösern, die der Tierarzt unbedingt abklären sollte, bevor der Tierpsychologe um Rat gefragt wird. Zu den bekannten Ursachen gehören zum Beispiel Haut- und Juckreize, verursacht etwa durch Allergien oder Parasiten ebenso, wie Hyperaktivitäts- oder angststörungen. Auch bei starkem Stress durch Über- oder Unterforderung tritt das wellenförmige Zucken auf. Und schließlich wird über bestimmte Formen von Epilepsie diskutiert.
Das macht schon klar, wie schwierig die Ursachenforschung und die Behandlung ist. Bei Kater Giacomo stand deshalb auch zunächst eine besonders gründliche tierärztliche Untersuchung und die Umstellung auf ein hochwertiges Futter an. Nachdem das Zucken und Schwanzbeißen jedoch nicht weniger wurde, riet der Tierarzt zu Psychopharmaka, die Giacomo beruhigen und den Beißzwang mildern sollten. Vor medikamentösen Therapie aber wurden die beiden Kater im Umgang miteinander beobachtet. Und dabei stellte sich heraus, dass der rot-weiße Pascha, hübsch, charmant, äußerst menschenbezogen und verschmust, den wesentlich älteren und zurückhaltenderen, unscheinbareren Giorgio eigentlich laufend an die Wand "spielte". Giorgio bekam deshalb zuerst eigene Spieleinheiten und Rituale wie "im Bett schlafen" und "mit Mensch gemeinsame Abendspaziergänge machen". Nach und nach wurde Pascha dabei integriert und außerdem ein Pheromonstecker eingesetzt, der eine Wohlfühlbotschaft verbreiten sollte. Nach einigen Wochen zeigte sich der erste Erfolg , Giorgios ständige Anspannung ließ nach. Die Medikamente konnten deshalb auch nach kurzer Zeit wieder abgesetzt werden.

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Tags: Feline Hyperästhesie Rolling skin Katze
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