Wie denken Pferde?
abgelegt im Archiv Tierverhalten am 07.04.07
Pferde und Menschen - eine lange Reise
Unbestritten: Pferde wären ohne den Menschen wahrscheinlich besser dran. Wir Menschen ohne die Pferde nicht. Die Geschichte der Menschen wäre ohne die Pferde anders geschrieben worden. Die Welt sähe anders aus. Durch alle Kriege der Weltgeschichte noch bis zu den letzten großen Weltkriegen haben uns Pferde begleitet, sie waren Arbeitskraft, Fortbewegungsmittel und Nahrung für den Menschen. Heute sind sie immer noch Nahrung, Begleiter, Freizeitfreund und Therapeut.
Ein Gang über die gerade beendete Equitana mit den vielen Vorführungen in "Freiheitsdressur", klassischem Dressurreiten, der schnellen und fordernden Reining der Westernreiter zeigte: Pferde sind - ob in sanfter, harmonischer oder nach wie vor in brutaler Form - immer noch durch den Menschen instrumentalisiert. Warum lassen diese großen, kraftvollen Geschöpfe sich durch den Menschen versklaven, als Reittier benutzen, vor Kutschen spannen, tragen den Menschen in langen Distanzritten und lehren ängstliche Führungskräfte den Umgang mit "großen Tieren"?
Was ist der Schlüssel? Fragt man bekannte Pferdegurus, landet man leicht bei "Reiz-Reaktionen" als Ausbildungsmittel. Die zentrale Frage, wie Pferde "denken", wie sie wahrnehmen, wie sie lernen, warum sie den Menschen ertragen, wird nicht beantwortet.
Wege zum Umgang mit dem Pferd gibt es viele - durch ein besonderes Halfter, durch eine besondere Ausbildungsweise, durch "die Sprache der Pferde" à la Monty Roberts. Und es gibt viele Pferdefreunde, die einen besseren Umgang mit ihrem Pferd erreichen wollen und bereit sind, dafür viel Geld auch für die absonderlichsten Dinge und Kurse auszugeben.
Was es selten bis gar nicht gibt, ist die Bereitschaft, am Anfang zu beginnen: Bei den Pferden selbst. Bei ihrer Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Menschen unter teilweise absurden Bedingungen. Bei ihrem natürlichen Leben und ihrer natürlichen Umgebung. Ein Sprichwort sagt, man solle ein Pferd nicht von hinten aufzäumen. Bevor wir nicht bereit sind, uns mit der Geschichte und dem Erleben des Pferdes zu beschäftigen, zäumen wir die Pferde von hinten auf. Solange werden wir nur in der Lage sein, an der Oberfläche mit dieser seltsamen und freundlichen Spezies Pferd zu kommunizieren und eine oberflächliche Dressur zu erreichen. Die Verhaltenspsychologie fängt an, sich mit dem Lernen und Erleben von Pferden tiefergehend auseinander zusetzen. Denn eins ist sicher: Unsere vierbeinigen großen Freunde können uns bislang besser deuten als wir sie.

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