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Zoo Nürnberg: Angriffe wegen Tod der Eisbären

abgelegt im Archiv Tierische Neuigkeiten am 08.01.08

Zoo Nürnberg: Angriffe wegen Tod der Eisbären
Foto: Pixelio

Das war eigentlich nur eine Frage der Zeit: In Nürnberg hat eine Eisbärenmutter ihre beiden Jungen aufgefressen. Ob die beiden krank waren, wie der Zoodirektor mutmaßt, läßt sich nicht mehr feststellen, denn Überreste wurden nicht gefunden. Mutter Vilma ist nun wieder allein, die zweite Bärin scheint ihren Nachwuchs noch zu betreuen.

Aktuell kam gerade die Nachricht, dass sich der Zoo entschlossen hat, nun doch die andere Mutter und ihren Nachwuchs zu trennen. Damit steht Nürnberg vermutlich bevor, was unbedingt vermieden werden sollte: Die nächste Handaufzucht.

"Raubtiere sind bekannt dafür, dass sie ihren Nachwuchs auffressen, wenn die Jungtiere nicht in Ordnung sind oder die Umstände der Mutter eine erfolgreiche Aufzucht unwahrscheinlich machen", sagt Zoodirektor Dag Encke.

Ob nun Infektion, Krankheit oder Eingreifen der Mutter zum Tod der Kleinen geführt haben, es zeigt es wieder einmal, dass Eisbären in Zoos nur schwer wirklich artgerecht zu halten und schon gar nicht aufzuziehen sind. Schon lange fordern Tierschutzverbände, die Eisbärenhaltung in Zoos völlig aufzugeben.

Für seine Haltung in der Eisbärenfrage und wegen des Nichteingreifens kassiert der Zoo nun herbe Kritik:
"Der Zoo hätte früher eingreifen müssen", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. "Grundsätzlich lehnen wir die Haltung und Nachzucht von Eisbären in Gefangenschaft strikt ab." Doch mit der Aufzucht von Eisbären übernehme der Zoo eine ethische Verpflichtung, der er nicht nachgekommen sei.

Nach Ansicht Schröders wäre es die ethisch verpflichtende Aufgabe der Verantwortlichen gewesen, den Eisbärenbabys eine Chance auf Leben zu geben. Das viel zu späte Eingreifen mit dem Argument zu entschuldigen, so sei eben die Natur, "ist zynisch und unangemessen", erklärt er.

"Das Leid der Jungbären hätte verhindert werden können, wenn das Haltungsmanagement und die wissenschaftlichen Grundvoraussetzungen im Tierpark funktioniert hätten. Es gilt nun aber auch, eilig die Lage in der anderen Höhle zu klären", mahnt Schröder.

Der Deutsche Tierschutzbund fordert gemeinsam mit seinem Landesverband Bayern, den aktuellen Fall zum Anlass zu nehmen, die Eisbärenhaltung im Zoo insgesamt kritisch zu hinterfragen. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes muss die Haltung von Eisbären in Zoos schnellstmöglich auslaufen.

Eisbären haben in der freien Wildbahn einen Aktionsradius im Kilometerbereich, während die vorgegebenen Käfiggrößen im Zoo bei wenigen Quadratmetern liegen. Selbst die größten Außengehege in Zoos seien im Vergleich zur Wildnis nur winzige Gefängnisse, die den natürlichen Bewegungsdrang der Tiere extrem einschränke. Die Tiere leiden oftmals unter Langeweile, Haltungsrestriktionen und entwickeln nicht selten Verhaltensstörungen, so genannte Stereotypien.


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Tags: Zoo  Nürnberg  Eisbären  tot  Vilma 

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