Zugvögel auf dem Weg in die Winterquartiere
abgelegt im Archiv GastbeitrÀge am 19.11.07
GASTBEITRAG VON BIRGIT RĂ-DDER
Wie in jedem Herbst haben sich auch in diesem Jahr die Zugvögel auf den Weg in wÀrmere Gegenden gemacht, in denen sie die kalten Wintermonate verbringen.
Einige Kraniche ziehen nur bis SĂŒdeuropa, andere ĂŒberwintern in Afrika oder Asien. Singdrossel und Feldlerche ziehen in den Mittelmeerraum und in den Nahen Osten. Einige SchwĂ€rme des Hausrotschwanzes zieht es ĂŒber den Winter ebenfalls in den Mittelmeerraum, andere nach Nordafrika.
Nach Afrika fliegen auĂerdem Kuckuck, Mauersegler und Rauchschwalbe, SumpfrohrsĂ€nger und Nachtigall. WeiĂ- und Schwarzstörche ziehen in Formation nach Nordafrika oder Indien. Die weitesten Strecken legen der WanderlaubsĂ€nger (bis SĂŒdostasien) und die KĂŒstenseeschwalbe zurĂŒck, die bis zur antarktis zieht. Manche Vogelarten, die im Nord- und Nordosten Europas brĂŒten, erscheinen in West- und Mitteleuropa als WintergĂ€ste, da ihnen die hiesigen winterlichen Lebensbedingungen genĂŒgen, etwa sibirische WildgĂ€nse, die alljĂ€hrlich am Niederrhein und in Ostfriesland ĂŒberwintern.
Die zu fliegende Route kann genetisch fixiert sein, wie bei den WeiĂstörchen und GrasmĂŒcken. Bei anderen ist zumindest ein Lernprozess beteiligt, das heiĂt junge GĂ€nse brauchen bei ihrem ersten Zug ins Winterquartier die Begleitung ihrer Eltern, die die Strecke kennen. SpĂ€ter finden sie den Zugweg auch alleine. Dazulernen ist auch bei amerikanischen Dachsammern angesagt, die sich nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen als Jungvögel ausschlieĂlich mit einem angeborenen Kompass orientieren, wĂ€hrend Ă€ltere Vögel zusĂ€tzlich erlernte Landmarken benutzen, um ihr Ziel zu finden.
Die Kompass- bzw. Erdmagnetfeldorientierung ist bei Vögeln sehr weit verbreitet und hilft etwa den Rotkehlchen bei ihren FlĂŒgen. Aber auch sie lernen, dazu zusĂ€tzlich den Sternenhimmel zu nutzen. Diese "Sicherung" ist sehr hilfreich, wenn die Vögel auf ihren ZĂŒgen durch einen Sturm von ihrer ursprĂŒnglichen Route abkommen. Sternenhimmel oder Landmarken helfen dann, die Flugrichtung zu korrigieren und sicher den Zielort zu erreichen. Bei GartengrasmĂŒcken und bei Rotkehlchen wurde nachgewiesen, dass die Magnetfeldlinien von der Netzhaut des Auges wahrgenommen werden und denselben Weg nehmen wie visuelle EindrĂŒcke - die Vögel scheinen das Erdmagnetfeld tatsĂ€chlich sehen zu können!
Die Winterquartiere sind fĂŒr viele Zugvögel nicht konstant, sondern Ă€ndern sich abhĂ€ngig von Klimaschwankungen und menschlichen EinflĂŒssen (Zerstörung der LebensrĂ€ume, Umweltvergiftung). In milden Wintern kann man in Deutschland daher auch noch Kiebitze und Feldlerchen antreffen.
Auch MönchsgrasmĂŒcke und Zilpzalp haben in den letzten Jahren ihre Wanderungen eingestellt und bleiben hĂ€ufig hier. Damit entgehen sie definitiv der Gefahr, vor allem in den MittelmeerlĂ€ndern (Italien und Griechenland) mit grausamen Methoden gefangen und getötet zu werden. Die Tipps zur WinterfĂŒtterung (Link) informiert Sie ĂŒber Möglichkeiten, den neuen WintergĂ€sten, aber auch den Standvögeln Kohlmeise & Co. ĂŒber die kalte Jahreszeit zu helfen.
TEXT und FOTO: Birgit Rödder

Permalink: Zugvögel auf dem Weg in die Winterquartiere
Tags: Zugvögel Winterquartiere Herbst Afrika
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